Das 1x1 des Livestreaming – wir stellen das passende Equipment vor!

18.01.2021

Wer hätte vor einem Jahr gedacht, dass Livestreaming anfangs 2021 so boomt. Im vergangenen Jahr fanden Veranstaltungen primär virtuell statt und dies wird wohl noch eine Weile so bleiben. Kein Wunder also, dass die Nachfrage nach Streaming-Angeboten vehement gestiegen ist. Viele Selbstständige und KMU stehen nun vor der Frage, wie sie ihre Dienste online streamen können. Dazu gehören zum Beispiel Yoga-Lehrpersonen, oder NPO, wie beispielsweise Kirchen. Wir haben zwei Projekte beratend begleitet und zeigen nun, welches Starter-Paket wir für welche Szenarien zusammengestellt haben.

WAS über WIE

Wie bei jeder Filmproduktion benötigt man beim Livestreaming eine Kamera, ein Mikrofon und Licht. Deshalb liegt der Fokus vor allem auf der Wahl des jeweiligen Materials, was im heutigen Angebot-Dschungel gar nicht so einfach ist. Generell sollte man sich fragen, WAS man umsetzen und WARUM man es umsetzen möchte. Über das WIE sollte man sich erst in einem zweiten Schritt Gedanken machen. Die Wichtigkeit liegt auch auf der Frage, welche Qualität man anbieten möchte und was diesbezüglich die Erwartungen der Zuschauenden sind. Denn - letztlich widerspiegelt sich die Qualität des Streams und des Seherlebnisses in der Wahrnehmung der Unternehmensmarke. Starten wir mit dem Beispiel der Yoga-Lehrerin Beatrice Peter. Sie hatte den Wunsch, den Präsenzunterricht in die virtuelle Welt zu übertragen, damit die Mitglieder auch zuhause an ihrer Yoga-Stunde teilnehmen können. Dabei war es essentiell, für die Teilnehmer zuhause eine ähnlich entspannende und magische Umgebung zu schaffen, wie sie sie sonst im Studio erleben. Deshalb lag das Hauptaugenmerk auf einem ästhetischen Bild und einem sehr sauberen, störfreien Ton. Das beruhigende Ambiente eines Yoga-Studios digital und budgetgerecht zu übertragen, war definitiv eine Challenge, welche wir folgendermassen gemeistert haben:

Das Werkzeug

Bei der Kamera entschieden wir uns gegen eine gewöhnliche Webcam. Stattdessen wählten wir eine etwas hochwertigere Zoom Q2n, die aufgrund des guten internen Mikrofons vor allem bei Musikern sehr beliebt ist. Dank der einfachen Halterung lässt sie sich auf ein kleines Stativ anbringen, was mehr Flexibilität schafft. Die Bildqualität ist im Low-Light-Bereich nicht überwältigend, jedoch für diesen Anwendungszweck ausreichend. Ein weiterer kleiner Nachteil ist die kurze Laufzeit aufgrund der Batterien. Hier gibt es jedoch für einen kleinen Aufpreis einen zweiten Akku.

Obwohl die Mikrofon-Qualität der Kamera hervorragend ist, wählten wir ein zusätzliches Ansteckmikrofon. Dies vor allem aufgrund der Entfernung der Kamera. Gerade bei Yoga ist eine ruhige und sanfte Stimme und die Bewegungsfreiheit der Lehrperson wichtig. Deshalb war das Mikrofon RODE Wireless Go die richtige Wahl. Es ist klein, lässt sich gut befestigen und die Ton-Qualität ist, gerade zu diesem Preis, sensationell.

Bei der Lichtgestaltung verfolgten wir ebenfalls das Ziel, ein möglichst angenehmes und ruhiges Ambiente zu schaffen. Das Studio selbst zeichnet sich durch ein warmes Licht aus, was Filmaufnahmen jedoch nicht nur erleichtern. Damit die Kamera ein rauschfreies Bild einfangen konnte, war deshalb zusätzliches Licht notwendig. Dafür griffen wir auf das 2er Set von Walimex Pro LED Sirius 160 Bi Color zurück. Diese Leuchten eignen sich deshalb, weil die Leuchtstärke und Farbtemperatur einstellbar ist und sie über eine hohe Farbwiedergabe verfügen. Mit 6000 Lumen und einer 65 Watt Leistung bringen die LED-Lampen viel Power mit sich. Zusammen mit den fest installierten Lampen vor Ort liess sich so ein schönes Set aufbauen.

Let it stream!

Nachdem man die ganze Hardware zusammengestellt hat, stellt sich die Frage nach der passenden Software. Ein weit verbreitetes und beliebtes Gratis-Tool ist OBS (Open Broadcaster Software). Was auf den ersten Blick sehr technisch und kompliziert aussieht, ist hingegen leicht verständlich. OBS dient im gesamten Prozess als Schnittstelle, bei der Bildinhalte und Töne in Echtzeit über eine Netzwerkverbindung ins Internet übertragen werden. In unserem Falle wollten wir das Kamerabild über den Kanal Zoom streamen. Dieser Kanal erkannte die externen Geräte (Mikrofon und Kamera) automatisch. Falls dies nicht der Fall sein sollte, zum Beispiel beim Streamen über YouTube, dann kommt OBS zum Einsatz. Zunächst einmal muss der richtige Kanal ausgewählt werden. Sobald die Verbindung im OBS steht, kann der Stream auf der End-Plattform beginnen. Je nachdem wird noch ein Stream-Schlüssel verlangt, wie beispielsweise bei YouTube, der dann im OBS eingetippt werden kann.

Lässt sich das auch automatisieren?

Kommt drauf an. Grundsätzlich lässt sich ein Livestream, dank intelligenten Prozessoren, gut automatisieren. Doch wann macht die Automatisierung des Streaming Prozesses Sinn?

Die Automatisierung funktioniert dann am besten, wenn ein wiederkehrender Event gestreamt wird, der immer einem ähnlichen Ablauf folgt. Primär führt die Automatisierung dazu, dass ein regelmässiges Ereignis ohne zusätzlichen Personalaufwand gestreamt werden kann. Die einmalige Konzeption und Installation einer solchen automatischen Einrichtung ist zwar teurer, zahlt sich jedoch bei wiederkehrenden Ereignissen aus, da der Aufwand drastisch reduziert wird. Best Case dafür ist das SRF, das im Jahr 2015 auf Roboter-Kameras gewechselt hat und seitdem eine Tagesschau mit drei anstatt elf Personen durchführt.

Auch die Pfarrei St. Jakob Cham entschied sich, mit unserer Beratung und Projektleitung, für die gestreamte Live-Messe. Das erklärte Ziel dabei war: Die wöchentliche Sonntagsmesse für all jene zugänglich und erlebbar machen, die aus diversen Gründen nicht persönlich teilnehmen können. Dafür musste das System einerseits Zielgruppengerecht sein und sich andererseits unscheinbar in der Kirche integrieren lassen. Diese Kriterien konnten mit dem Einsatz einer PTZ (Pan-Tilt-Zoom) Kamera der Firma PTZOptics, die via Netzwerkkabel angesteuert wird, eingehalten werden.

Die Mikrofone nehmen dabei die Information nur dort auf, wo aktuell gesprochen wird. Anhand dieser Informationen wird die Kamera automatisiert gesteuert. Neben dem Automatikmodus ist ein manueller Eingriff durch einen Sakristan jederzeit möglich. Das System, das einfach in die Audio-Einrichtung der Kirche integriert werden konnte, liefert die nötige Intelligenz, um eine qualitativ hochstehende Live-Messe streamen zu können.

Unsere Umsetzung

Die grösste Herausforderung war die Installation in der Kirche. Oftmals ist die Bauweise eher traditionell und daher nicht auf Audio-Installationen und Kamera-Einrichtungen ausgerichtet. Zudem braucht es neben den technischen Raffinessen auch immer die Einbindung und Schulung der zuständigen Personen vor Ort.

Gesagt getan - seit Weihnachten streamt die Pfarrei St. Jakob in Cham jede Messe. In den kommenden Monaten folgt die Anbindung an die lokalen Altersheime und die gesamte Gemeinde.

Ende gut, Stream gut!

Zusammengefasst können wir sagen und raten, dass je nach Anwendungsfall unterschiedliches Filmequipment passend ist. Während die Yoga-Lehrperson in diesem Beispiel auf ein manuelles Set setzt, bildet die teure automatisierte Lösung der Pfarrei den spannenderen und effizienteren Ansatz. Teures Equipment hin oder her: Solange die Internetverbindung nicht stabil ist, nützt auch das beste Filmequipment nichts. Wir hoffen, dass wir dir mit unseren Tipps weiterhelfen konnten und wünschen gutes Streaming!


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