Effektive Soundeffekte – So wichtig sind Geräusche im Film

28.06.2021

Was wäre «Star Wars» ohne den Atem von Darth Vader? Was wäre der Dokumentarfilm «Our Planet» ohne die Geräusche der Tiere? Und was wäre «Jurassic Park» ohne das Gebrüll der Velociraptoren? Genau: Diese Filme wären ohne Sound ziemlich langweilig. Doch wie wichtig sind Soundeffekte wirklich?

Die Nutzung von Soundeffekten entstand im Theater. Hier wurden schon früh Geräusche mit Blechen oder Kokosnüssen erzeugt, welche Donner oder Hufgeklapper nachahmen sollten. Mit der Verbreitung des Radios und den Übertragungen von Hörspielen fiel den Soundeffekten eine wachsende Bedeutung zu, welche spätestens mit dem Übergang von Stumm- auf Tonfilm etabliert wurde. Trotzdem wird die Tongestaltung bis heute unterschätzt.

Es brüllen keine echten Löwen

Wenn wir glauben, dass der Ton direkt beim Filmdreh aufgenommen wird, liegen wir oft falsch. Sowohl wir bei Tincan als auch bekannte Filmstudios greifen auf verschiedene Tricks zurück. Schauen wir beispielsweise einen Dokumentarfilm über Löwen, ist es nicht ihr tatsächliches Brüllen, welches zu hören ist. Da Naturfilmer die Tiere aus grosser Ferne aufnehmen, ist es nahezu unmöglich, Geräusche direkt aufzuzeichnen. Stattdessen entsteht das gewünschte Geräusch in der Postproduktion, wo eine Person in eine Kartonröhre faucht. Tönt lustig, ist aber so.

Neue Geräusche werden gefunden

Ein weiterer Grund für nachträglich aufgenommene Soundeffekte ist, dass das gewünschte Geräusch nicht existiert und extra erzeugt werden muss. So zum Beispiel das Fauchen der Velociraptoren in Jurassic Park. Da Dinosaurier vor ca. 65 Millionen Jahren ausgestorben sind und wir bis heute nicht wissen, wie sie geklungen haben, musste anderweitig nach einem passenden Geräusch gesucht werden. Gefunden wurde es schlussendlich bei anderen Tierarten. Der Atem der kleinen Dinosaurier stammt deshalb von Pferden und das Zischen von einer Gans.

Auch Darth Vaders schwerer Atem wurde erfunden und ist sogar markenrechtlich geschützt. Das Geräusch erinnert nicht zufällig an einen Tiefseetaucher. Star Wars‘ Sounddesigner Ben Burtt atmete für die Aufnahme nämlich in eine Tauchermaske.

Mit Geräuschen Emotionen schaffen

Bewegungen mit einem Geräusch zu hinterlegen zielt besonders auf unsere Emotionen ab und intensiviert so das Filmerlebnis. Hören wir beispielsweise wie ein Schlag auftrifft, können wir den verursachten Schmerz beinahe selber fühlen.
Eine gute Vertonung ist besonders bei Animationsfilmen extrem wichtig. Die Soundeffekte geben den Bewegungen nicht nur Bedeutung, sondern können auch mehr über das Material und die Beschaffenheit eines Gegenstandes verraten. Dies stellt bei Animationsfilmen eine besondere Herausforderung dar, da es hier keinen am Filmset aufgenommenen Ton gibt, an dem wir uns orientieren können. Ausserdem müssen gerade abstrakte Figuren nicht menschlich klingen. Jedes Geräusch muss also neu gefunden, erzeugt oder nachträglich aufgenommen und hinzugefügt werden.

Bild Faustschlag
https://www.nicolastiteux.com/en/blog/12-sound-effects-you-think-you-know/

Wieso wir grundsätzlich die meisten Soundeffekte im Nachhinein aufnehmen, hat einen ganz einfachen Grund. Bei einem Dreh liegt die Konzentration auf dem Dialog. Zudem können Hintergrundgeräusche nur schwer im Nachhinein bearbeitet werden. So fügen wir auch Geräusche wie Regen, Schritte und zufallende Türen erst in der Postproduktion hinzu.

Woher stammt das Geräusch?

Zuerst suchen wir gewünschte Geräusche in einer Datenbank. Das ist weniger aufwendig, als den Ton neu zu erzeugen und selber aufzunehmen. Du kennst bestimmt den berühmtesten Todesschrei der Filmgeschichte, welcher auch auf einer solchen Datenbank zu finden ist. Der sogenannte Wilhelmsschrei wurde bisher in mehreren hundert Filmen und Games verwendet, darunter in «Star Wars», «Toy Story» oder den «Simpsons».

Solche Datenbanken sind sehr praktisch, sie haben jedoch auch ihre Grenzen. Damit ein Geräusch perfekt passt, muss es immer wieder selbst erzeugt oder nachgestellt werden.

Die Kunst von Foley

Foley artists sind Geräuschemacher*innen, welche in der Postproduktion Geräusche für Film und Fernsehen neu erschaffen. Der englische Begriff "Foley" leitet sich vom Soundeditor Jack Foley von den Universal Studios ab. Jack Foley entwickelte viele Techniken zur Erschaffung von Soundeffekten und gilt somit als Erfinder der Foley art. Diese wird heute noch in vielen Filmen verwendet. Löwengebrüll mit Kartonrollen und Schneeknirschen mit Maisstärke – Foley art spielt nicht nur in Dokumentarfilmen wie „Planet Earth“, Blockbustern wie der „Avengers“ Reihe oder in „The Revenant“ eine wichtige Rolle. Auch wir bei Tincan greifen häufig darauf zurück. Wie diese Arbeit aussehen kann, siehst du im Video unten.

Generell gilt: Das Publikum verzeiht schlechtes Bild eher als schlechten Ton. Der gelungene Einsatz von Sound Design unterstützt Inhalte, löst Emotionen aus und intensiviert die Geschichte und das Erlebnis des Publikums während des Films. Soundeffekte sind somit, neben der Filmmusik und dem Dialog, ein essentieller Teil der Tongestaltung eines Filmes.


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